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Stiftungen

Die folgenden Stiftungen werden von der Stadt Nettetal verwaltet:

Bongartzstiftung

Mit Testament vom 1. Oktober 1896 hinterließ Maria Agnes Bongartz ihr gesam­tes, von ihrem Bruder Johann Heinrich geerbtes, Vermögen der damaligen Gemeinde Lobberich mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass das Vermögen zur Gründung eines Waisen- und Erziehungshauses für waise katholische Mädchen verwendet werden sollte. Das Waisen- und Erziehungshaus sollte unter der Wohnhausadresse der Familie Bongartz an der Hochstraße 29 errichtet werden. Die Gemeinde Lobberich nahm das Testament nach dem Ableben von Maria Agnes Bongartz (12. November 1906) an und gründete die Stiftung.

Im Jahre 1909 wurde das Waisenhaus eingerichtet und elternlose Kinder bis zu ihrem 14. Lebensjahr von den Münsteraner Franziskusschwestern, die auch im Krankenhaus tätig waren, betreut. In der Zwischenzeit war dem Haus eine Kinderbewahr­schule angegliedert worden, außerdem wurden Haushaltungs- und Nähkurse angeboten.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in dem Gebäude Hochstraße 29 eine Nähschule eingerichtet. In den nach dem Krieg notdürftig hergerichteten Baracken auf der von-Bocholtz-Straße gab es zeitweilig einen Kinder­garten.

1951 / 1952 wurde das Heim erneut eröffnet. Allerdings wurde der Stif­tungszweck den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst, so dass auf Vorschlag des Kreises statt des Waisenhauses ein Säuglingsheim eingerichtet werden konnte. Zum 1. April 1969 wurde das Bongartzstift in ein Säuglings- und Kinderheim umgewandelt.

Zum 1. Januar 1973 wurde die Stiftung in einen Eigenbetrieb der Stadt Nettetal umgewandelt. Am 20. August 1973 wurde vom Rat beschlossen, in dem Haus von-Bocholtz-Straße 5 einen Kindergarten einzurichten. Diesem Beschluss ging die Überlegung voraus, dass die wörtliche Erfüllung des Stifterwillens nicht mehr möglich gewesen war und das Testament deshalb sinngemäß erfüllt werden sollte. Die Stiftung wird seit diesem Zeitpunkt mit dem alleinigen Zweck weitergeführt, in Nettetal-Lobberich einen Kindergarten zu unterhalten. Die Erträgnisse des Stiftungsvermögens dienen ausschließlich zur Unterhaltung dieses Kindergartens. Am 1. April 1975 wurde er eröffnet. Am 27.11.2010 fand die feierliche Eröffnung des neuen Kindergartengebäudes an der Mühlenstraße statt.

Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog am 1. April 1976 das Standesamt und am 1. November 1982 das Rechnungsprüfungsamt in das Gebäude Hochstraße 29 ein. Das Haus wurde mit Datum vom 16. Februar 1989 in die Denkmalliste der Stadt Nettetal aufgenommen. Bedingt durch den Neubau des Rathauses entfiel die Nutzung des Gebäudes durch die Verwaltung ab 1999.

Mit notariellem Pachtvertrag vom 8. Januar 1903 hatte Agnes Bongartz außerdem den Bongartzhof an Heinrich Schmitz verpachtet - zu diesem Zeitpunkt neben den Hof- und Gebäudeflächen und dem Hausgarten cirka elf Morgen Grünland und 54 Morgen Acker. Im Jahre 1930 war der Grundstücksbestand auf 57 Morgen Ackerland und 25,5 Morgen Grünland und 2,5 Morgen Holz aufgestockt. Nach dem Tod von Heinrich Schmitz am 29.08.1923 heiratete die Mutter des heutigen Altpächters den Landwirten Johann Borghs, der den Bongartzhof weiter bewirtschaftete. Im Jahre 1946 wurde der Hof vom Altpächter Heinrich Schmitz übernommen. Zum Hof gehörten damals cirka 85 Morgen Land. Im Dezember 1977 ist Heinrich Schmitz aus dem Pachtverhältnis ausgeschieden. Der Bongartzhof wird seit dieser Zeit von seinem Sohn Heinz Schmitz bewirtschaftet. Der Hof umfasst derzeit cirka 130 Morgen Land.

Van der Upwich – Schleßsche Stiftung

Der Erblasser, Carl Hermann Gisbert van der Upwich, wurde am 07.12.1901 in Lobberich geboren. Er studierte an der Universität zu Köln, war Wirtschaftsjurist und Landwirt. Carl Hermann Gisbert van der Upwich wohnte bis zum 30.10.1952 in der jetzt nicht mehr existierenden elterlichen Villa (Fabrikbesitzer Karl van der Upwich und Berta, geb. Schleß) an der früheren Bahn- und heutigen Niedieckstraße. Dann verzog er nach Haffen bei Wesel, wo er im „Haus Örtgen“ bis zu seinem Tode am 04.10.1967 wohnte.

Am 26.08.1967 gab van der Upwich beim Notar sein Testament ab. Um das Andenken seiner Vorfahren, insbesondere des geheimen Kommerzienrats van der Upwich, zu erhalten, und um einen Ersatz zu schaffen für die Stiftungen seiner Vorfahren, die infolge der Geldentwertung durch die Währungsreform erloschen waren, beabsichtigte Carl Hermann Gisbert van der Upwich, eine Stiftung zu errichten, deren Erträge unter anderem auch Einwohnern der Stadt Lobberich zugute kommen sollten, die die Voraussetzungen für die Gewährung von Beihilfen erfüllten. Die Einzelheiten hierzu wurden in der Satzung der Stiftung niedergelegt.

Die Erträge aus der Stiftung sollen nach dem Stifterwillen jeweils zu ¾ Einwohnern der ehemaligen Stadt Lobberich und zu ¼ Einwohnern der Stadt Xanten zugute kommen. Der den Einwohnern der ehemaligen Stadt Lobberich zugedachte ¾ Anteil rührt her aus der früheren erfolgreichen industriellen Betätigung der Vorfahren des Erblassers in Lobberich, während der ¼-Anteil an der Stiftung durch die Stadt Xanten auf ein ehrendes Andenken des Großvaters des Erblassers, des langjährigen ehemaligen Xantener Bürgermeisters Gerhard Schleß, zurückzuführen ist. Das Stiftungsvermögen besteht aus dem gesamten von dem Erblasser hinterlassenen Vermögen, insbesondere aus Grundbesitz, Wertpapieren, Einrichtungsgegenständen und Wertgegenständen.

Eine erfolglos gebliebene Testamentsanfechtungen sowie die damit zwangsläufig sich hinauszögernden behördlichen Genehmigungen zur Errichtung und Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Stiftung, ließen es erst am 20.03.1973 zu einer Stiftungssatzung kommen.

Der Sozialausschuss der Stadt Nettetal hat mit Beschluss vom 27.02.1975 die Verwaltung beauftragt, die aus der Stiftung hervorgehenden Aufgaben wahrzunehmen.

Privat-Stiftung Goerigk

Die jüngste Stiftung in Nettetal hatten die1994 verstorbenen Eheleute Josefa und Hermann Goerigk eingerichtet. Josefa Goerigk führte 40 Jahre lang in Kaldenkirchen ein Textilfachgeschäft im abgerissenen Kirchendreieck und danach an der Ecke Kehrstraße / Jahnstraße. Ihr Ehemann Herrmann war Bahnpolizist. Den einzigen Sohn verloren die Eheleute sehr früh. Beide lebten sehr sparsam und bauten durch ihren unermüdlichen Fleiß ein stattliches Vermögen auf, das nach dem Tod der Eheleute in die Stiftung umgewandelt wurde.

Josefa Goerigk, die nach ihrem Mann am 28.08.1994 verstarb, verfügte im Testament vom 13.07.1994, dass der jährliche Zinserlös aus dem Stiftungsvermögen ausgeschüttet werde und den Armen und Hilfsbedürftigen in Kaldenkirchen zugute kommen sollte. Zum Stiftungsvorstand bestimmte sie den jeweiligen Pastor der katholischen Pfarrgemeinde St. Clemens, den jeweiligen Leiter des Sozialamtes und eine Bürgerin aus Kaldenkirchen. Unterstützt wurden hilfebedürftige Personen, die in Kaldenkirchen ihren Wohnsitz haben. Weiterhin konnten soziale und gemeinnützige Einrichtungen, die in Kaldenkirchen tätig sind, ebenfalls berücksichtigt werden (Kindergärten, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Institutionen oder Vereine).

Die Stiftung wurde nach 15 Jahren aufgelöst. Das Ursprungskapital erhielten zu einem Drittel die katholische Pfarrgemeinde, der örtliche Caritasverband und die Stadt Nettetal.

Stiftung DIE SCHEUNE

Das Ehepaar Hildegard und Walter (Diplom-Textilingenieur) Tillmann sammelte viele Jahrzehnte Zeugnisse aller Art aus der Entwicklungsgeschichte der Textilmanufaktur und der Textilindustrie am Niederrhein. Das 1984 gegründete Textilmuseum DIE SCHEUNE, das seit 2001 als gemeinnützige Stiftung "DIE SCHEUNE, Spinnen/Weben + Kunst – Sammlung Tillmann" geführt wird, kann auf erfolgreiche, langjährige Ausstellungstätigkeiten zurückblicken. Die Übergabe in eine Stiftung sollte der Weiterführung des Textilmuseums und der Sammlung Tillmann dienen, da das Ehepaar Tillmann die Tätigkeit im Textilmuseum aus Altergründen einschränken wollte. Die Schwerpunkte der Stiftung liegen in der Förderung der Kunst und der Kultur. Die Stifter im Einzelnen: Der Verband der Rheinischen Textilindustrie e. V., die Sparkassenstiftung des Kreises Viersen, die Sparkassenstiftung der Stadt Nettetal, der LVR, die Stadt Nettetal sowie Hildegard und Walter Tillmann.

Die Bestände des Museums werden laufend ergänzt und vergrößert. Durch den regelmäßigen und intensiven Austausch mit anderen Einrichtungen der Rheinischen Textilverarbeitung erfolgt eine ausgezeichnete Bereicherung. Das Alleinstellungsmerkmal des Textilmuseums DIE SCHEUNE ist jedoch, dass sie im Gegensatz zu den umliegenden, auch überregionalen, Museen die manuelle Textilverarbeitung präsentiert. So können regelmäßig Sammlungsgegenstände anderen Einrichtungen als befristete Leihgaben überlassen werden. Besucher schätzen die Kombination aus der Darstellung der regionalen Textilmanufaktur und den wechselnden Textilkunstausstellungen.

Das Textilmuseum befindet sich im Baudenkmal Alt Kämpken im landschaftlich reizvollen Gebiet der Krickenbecker Seen. Der kleine Fachwerkhof, zu dem DIE SCHEUNE gehört, wurde vom Landeskonservator als „ein ganz charakteristisches und wohlerhaltenes Beispiel ländlicher Architektur“ bezeichnet. Erwähnungen und Verträge sind ab 1619 und 1683 vorhanden.  

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