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32. Nettetaler Wirtschaftsgespräch (archivierte Mitteilung)

Mitteilung vom: 01.10.2012

Drei Männer in dunklen Anzügen stehen nebeneinander, der Mittlere hält ein Präsent in den Händen

Agrobusiness – das war das bedeutendste Schlagwort des Abends bei den 32. Nettetaler Wirtschaftsgesprächen auf Schloss Krickenbeck, zu denen Bürgermeister Christian Wagner und Norbert Dieling, Geschäftsführer der Stadtwerke Nettetal GmbH, eingeladen hatten. Rund 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren der Einladung gefolgt, um sich bei guten Gesprächen und noch besseren Vorträgen über die wirtschaftliche Zukunft Nettetals zu informieren und auszutauschen. Die Wirtschaftskraft stärken – darum ging es in erster Linie in den beiden interessanten Vorträgen der Gastredner Professor Dr. Harald Schoelen von der Hochschule Niederrhein und Diplom-Kaufmann Jörg Lennardt, geschäftsführender Gesellschafter der Dortmunder Unternehmensberatung ExperConsult. Und zusammengefasst kann man das Fazit ziehen, dass Nettetal auf einem sehr guten Weg ist. Auf einem Weg, der, so Professor Schoelen, im Idealfall gemeinsam mit der niederländischen Seite weitergegangen werden soll.

„Grenzüberschreitende Wirtschaftskraft im Agrofood“ – damit hatte sich Professor Schoelen (unabhängig von der Stadt Nettetal) im Rahmen einer statistischen Grundlagenanalyse für die euregio rhein-maas-noord befasst. „Sie werden überrascht sein, wie stark die deutsche Grenzregion ist“, fasste Schoelen seine Ergebnispräsentation bereits vorweg zusammen. Schoelen hatte die Kreise und kreisfreien Städte der Niederrheinischen IHK und der IHK Mittlerer Niederrhein mit den niederländischen Regionen Noordoost-Noord-Brabant, Zuidost-Noord-Brabant und Nord-Limburg verglichen und festgestellt, dass sich diesseits und jenseits der Grenze alleine mehr als 120.000 Beschäftigte eindeutig einem Wirtschaftszweig der Wertschöpfungskette Agrobusiness zuordnen lassen. Eine ungeheure Zahl, die sich sogar, nimmt man die nicht vollständig dem Agribusiness zuzuordnenden Bereiche dazu, auf nahezu 380.000 Personen erhöht. „Dieses Potential gilt es, in Form von sich ergänzenden Strukturen in einem Miteinander zu nutzen“, betonte Schoelen. Schoelen hatte die Wertschöpfungskette auf deutscher Seite definiert und in Beziehung zur niederländischen Wertschöpfungskette gesetzt. Der hiesige Agribusinessbereich mit dieser gesamten definierten Wertschöpfungskette, angefangen im vorgelagerten Bereich mit der Herstellung, Installation und Instandhaltung von Produktions- und Betriebsmitteln, über zum Beispiel den Handel mit landwirtschaftlichen Grund- und Primärstoffen, Maschinen und Geräten bis hin zum Ernährungs- oder auch zum Gastgewerbe schaffe nicht nur Arbeitsplätze, er sichere diese auch. Und damit stemme sich der Niederrhein erfolgreich gegen den Landestrend. „Arbeiten Sie daran, ich plädiere stark für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, fasste Schoelen seine Ergebnisse zusammen.

Dem konnte Jörg Lennardt nur zustimmen: „Die Niederlande sind so nah, man kann nach Venlo mit dem Fahrrad fahren. Warum soll der Blick auf den heimischen Wirtschaftsstandort durch eine Grenze unterbrochen werden?“ Die Niederländer würden es begrüßen, wenn die deutsche Seite Nischen abdecke, die sie selber nicht bedienen können. Lennardt kam unabhängig von Professor Schoelen in eigenen Untersuchungen zu tendenziell gleichen Ergebnissen wie der Hochschulprofessor. Anders als Schoelen, hatte Lennardt aber den Blick konkret auf Nettetal und auf die Positionierung der Stadt als Wirtschaftsstandort gerichtet – und dabei festgestellt, dass es nur äußerst wenige Gewerbeflächen von der Größe VeNeTe´s in der Region gibt. Es gelte nun, VeNeTe zielgruppengerecht zu vermarkten. Nach Analysen von ExperConsult käme nur eine einzige auffällig starke Branche im Kreis Viersen hierfür in Betracht: Der Agrobusinessbereich. Lennardt: „Nahezu 25 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren von 2007 bis 2010 in Agrobusiness-Branchen beschäftigt, weitaus mehr, als im Land und in der Bundesrepublik. Und die Entwicklung zeigt ein kontinuierliches Wachstum auf.“ Als spezielle Zielgruppen entlang der Wertschöpfungskette Agrobusiness kristallisierten sich die Bereiche „Landwirtschaftliche Produktionsmittel“ und „Ernährungswirtschaft“, ergänzt um die „Agrobusinesslogistik“ heraus. Im Umkreis von 100 Kilometern seien immerhin mehr als 884 zielgruppenentsprechende Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern zu finden, so Lennardt. Und die gelte es nun zu überzeugen. „VeNeTe liegt nicht am Rand von Deutschland, VeNeTe liegt mittendrin im wichtigsten Wirtschaftsraum Europas mit einer exzellenten Anbindung an das Fernstraßennetz und einer guten Flughafen- und Hafenanbindung. Solche Standortvorteile finden Sie sonst nirgendwo und das muss kommuniziert werden“, verdeutlichte Lennardt. Mit den Standortkompetenzen, der klaren Positionierung der Stadt, den richtigen Marketinginstrumenten und den entsprechenden Aktivitäten stehe einer erfolgreichen Vermarktung nichts mehr im Wege. „Aber nur, wenn die ansässigen Unternehmer auch als Botschafter für den Wirtschaftsstandort Nettetal auftreten“, appellierte Lennardt abschließend an die Nettetaler Wirtschaftsvertreter.         

Daran knüpfte Bürgermeister Wagner zum Ende des kurzweiligen Abends an. Wagner betonte, dass die ansässigen Unternehmer das Rückgrat des Wirtschaftsstandortes Nettetal seien. Sie sollen daher gestärkt aus dem mehrjährigen Prozess hervorgehen und mitgenommen werden bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Nettetal.