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33. Nettetaler Wirtschaftsgespräch (archivierte Mitteilung)

Mitteilung vom: 30.09.2013

An einem außergewöhnlichen Ort kamen am vergangenen Donnerstag unter anderem Vertreter der Nettetaler Wirtschaft, der Politik, der Verwaltung und der Schulen auf Einladung der Volksbank Krefeld, der Stadtwerke Nettetal sowie der Stadt Nettetal zum 33. Nettetaler Wirtschaftsgespräch zusammen. Im Spiegelzelt auf dem Lambertimarkt in Nettetal-Breyell referierte Professor Dr. Arnold Weissman von der Hochschule Regensburg über das Thema „Agenda 2020 – was die besten Familienunternehmen morgen können müssen“. Nicht nur die besondere Atmosphäre des sogenannten Cristal Palaces, sondern auch der kurzweilige und informative Vortrag des Experten, gleichzeitig auch geschäftsführender Gesellschafter der Weissman & Cie. GmbH & Co. KG, machten den Abend zu einem besonderen und vor allem unterhaltenden Erlebnis.

Dass es interessant und amüsant werden würde, war den rund 120 anwesenden Gästen bereits zu Beginn des Vortrags klar, als Professor Dr. Weissman feststellte, dass er gerne Professor geworden sei, „weil man mit diesem Titel jeden Unsinn erzählen kann – es wird einem immer geglaubt“. Gleichzeitig versprach er aber auch, an diesem Abend keinen Unsinn zu erzählen, sondern den Zuhörern ein Buffet aufzubauen, von dem sich jeder mitnehmen könne, was er wolle. Niemand sei gezwungen, den Ansichten und Thesen des Professors zu folgen, auch wenn er selbst seine gewonnenen Erkenntnisse als absolut richtig erachte. So sei er unter anderem zu der Überzeugung gelangt, dass es nicht Ziel eines Unternehmens, speziell eines Familienunternehmens, sein könne, immer nur auf Wachstum aus zu sein und seine Handlungen starr auf steigende Quartalszahlen auszurichten. „Meiner tiefsten Überzeugung entspricht es“, so Professor Weissman, „dass das Ziel eines Unternehmens die gesteigerte Überlebensfähigkeit sein sollte.“ Dazu bräuchten Unternehmer sicherlich neben Motivationen auch Visionen, aber diese Visionen sollten realistisch bleiben, da man nur das erreiche, was man sich auch vorstellen könne. Diesen Tipp sollten gerade Familienunternehmen beherzigen, zeige doch die Statistik, dass nur ganz wenige Familienunternehmen die vierte Generation überlebten. Zum Überleben müssten Familienunternehmer daher vier Universalprinzipien beachten: Sie sollten Nutzen bieten - um Nutzen zu ernten, sie müssten anpassungsfähig sein, sie sollten wachsen dürfen - nicht müssen und letztendlich müsse beim Wachstum stets der Minimumfaktor beachtet, also überlegt werden, was tatsächlich im Wachstumsprozess gebraucht werde. Strategisch gab Professor Weissman zu bedenken, dass Werte eines Unternehmens mit Tinte geschrieben seien, Strategien mit Bleistift. Insofern sei Ausdauer gefragt, eine Unternehmensstrategie sei eher als Marathon, denn als Sprint zu bezeichnen. Dabei sei wichtig, im Unternehmen den Unterschied zwischen dem Management einerseits und der Führung andererseits zu leben. Das Management behandle die methodische und fachliche Kompetenz, die Führung jedoch bewege Menschen. Wer Vertrauen gebe, wer Mitarbeiter informiere und sie mit weitreichenden Informationen versorge, könne Komplexität verhindern und Mitarbeiter von alleine verpflichten, Verantwortung zu übernehmen. Professor Weissman appellierte an die Unternehmen, nach den brennenden Problemen ihrer Kunden zu suchen, diese besser zu lösen als die Konkurrenz und dies dem Kunden auch deutlich zu machen. Gerade Familienunternehmen müssten sich dabei, mit Stolz auf die Vergangenheit, ständig neu entwickeln. „Denn gute Familienunternehmen sind jederzeit gut verkaufbar, ohne je verkauft zu werden!“, so Professor Weissman.    

Nettetals Bürgermeister Christian Wagner ging in seiner Begrüßung kurz auf die neuen technischen Möglichkeiten im Gewerbegebiet VeNeTe ein, in dem bald durch die Glasfasertechnologie Übertragungsgeschwindigkeiten mit Spitzenwerten zu erwarten seien. Er freute sich, bei dem Wirtschaftsgespräch Venlos Bürgermeister Antoin Scholten, dessen Beigeordneten Jos Teeuwen sowie Jos Derkx vom Netzbetreiber Nettcom begrüßen zu können und dankte den Sponsoren Volksbank Krefeld und Stadtwerke Nettetal. Bürgermeister Wagner, der eingangs in passender Weise aus Arnold Küsters Buch „Mord am Lambertimarkt“ zitiert hatte, dankte abschließend Professor Weissman für seine äußerst interessanten Ausführungen. Niemand habe im Rund des Spiegelzeltes getuschelt, alle Zuhörer hätten am Mund des Referenten gehangen, was zeige, wie gut, wie verständlich, wie spannend und wie informativ der Vortrag von Professor Weissman gewesen sei.