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35. Nettetaler Wirtschaftsgespräch lockte ins Haus Bey (archivierte Mitteilung)

Mitteilung vom: 13.11.2015

Norbert Dieling, Geschäftsführer Stadtwerke, Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer IHK, Bürgermeister Christian Wagner

Rund 120 Gäste aus Wirtschaft, Handwerk und Industrie folgten der Einladung der Stadt Nettetal zum 35. Nettetaler Wirtschaftsgespräch. Neu war in diesem Jahr der Veranstaltungsort. Zum ersten Mal empfing die Stadt Nettetal, unterstützt durch die Stadtwerke Nettetal, ihre Gäste im schönen Ambiente des Haus Bey in Hinsbeck.
Mit Jürgen Steinmetz, seit 1. Juli Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein und zuvor als Stellvertreter des Landrats des Rhein-Kreis-Neuss tätig, begrüßten die Organisatoren auch in diesem Jahr einen hochrangigen Referenten, der die Gäste mit auf eine geschichtliche Reise nahm. Angefangen mit der Schaffung der Gewerbefreiheit durch den Code Napoleon vor etwa 200 Jahren bis in das heutigen Internet-Zeitalter. Die Besonderheiten des Niederrheins standen dabei im Mittelpunkt der Ausführungen. Schon früh entwickelte sich die Region zu einem florierenden Textilstandort. Die Chemie-, Maschinenbau- und später Elektroindustrie folgten im Laufe der Jahrzehnte und trugen so maßgeblich zur Entwicklung der Region zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort bei. Bereits früh fungierte der Niederrhein als Logistikdrehkreuz, dies ist auch heute noch der Fall. „Es bestand schon immer ein engmaschiges Netz zwischen der Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe. Wichtigster Kunde der Dienstleister ist dabei die regionale Industrie: Mehr als jeden dritten Euro verdienen die Dienstleister mit Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe. Wir dürfen also nicht vergessen, dass die Industrie den Nukleus der Wirtschaftskraft der Region darstellt“, führte Steinmetz aus und leitete damit in die heutige Zeitrechnung über.
Heute bestimmen die drei Megatrends „Demografischer Wandel“, „Industrialisierung“ und „Digitalisierung“ das Geschehen. Steinmetz zeigte sich überzeugt, dass der Niederrhein und der Kreis Viersen diese Herausforderungen meistern werden: „Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft stellen die Unternehmen der Region immer wieder unter Beweis.“ Zeitgleich und angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Erwerbspersonen im Kreis Viersen zwischen 16 und 65 bis ins Jahr 2040 um etwa 40.000 Personen abnehmen werde, warnte er vor dem enormen Trend zur Hochschulbildung: „Den größten Mangel werden wir bei den beruflich Qualifizierten und nicht bei den akademischen Fachkräften sehen.“ Soll heißen: Nicht um jeden Preis ist das Absolvieren eines Studiums der richtige Weg. Vielmehr bieten sich große Chancen für Menschen, die den „klassischen Weg“ in den Beruf über eine Aus- und spätere Weiterbildung anstreben.
Bürgermeister Christian Wagner verwies im Anschluss darauf, dass Nettetal jungen Menschen diesen Weg von der Schulbank in den Arbeitsmarkt bereits seit einiger Zeit ebnet. Mit dem seit Jahren erfolgreich durchgeführten „Tag der offenen Tür in den Betrieben“ mit regelmäßig rund 80 teilnehmenden Unternehmen sowie dem Projekt „BaseL“, das ebenfalls mit großem Erfolg an der Real- und Gesamtschule durchgeführt wird und Schülern beim Berufseinstieg unterstützt, sei man in Nettetal äußerst aktiv und auf einem guten Weg. Das gelte auch für die Entwicklungen in der Schullandschaft, die Nettetal zwar vor Herausforderungen stelle, gleichzeitig aber zu einer umfassenden schulischen Versorgung beitragen.
Beim Thema „Breitbandanschluss“, das Steinmetz als Voraussetzung zur Ansiedlung neuer Unternehmen ansieht, machte Wagner deutlich, dass der Gewerbepark Venete bereits jetzt alle Voraussetzungen erfüllt. Dank der Zusammenarbeit mit der niederländischen Firma Systemec ist Venete mit schnellem Internet ausgestattet und hat somit sicher einen Wettbewerbsvorteil. Der zukünftigen Situation von Venete sowie der Schaffung eines Railterminals am Bahnhof Kaldenkirchen sah Nettetals Bürgermeister ebenfalls positiv entgegen. Auch wenn aktuell keine weitere Ansiedlung unter Dach und Fach ist, war Christian Wagner deshalb  optimistisch, dass die laufenden Gespräche mit potentiellen Investoren eine gute Ausgangsbasis haben.
Er gab Jürgen Steinmetz mit auf den Weg, sich Gedanken über eine Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen der Standort Niederrhein GmbH und der Nachbarstadt Venlo zu machen. „Venlo begleitet uns regelmäßig als Gast zur Expo Real, wir sehen unsere Nachbarn jedoch als Partner und glauben, dass man gemeinsam noch mehr erreichen kann.“
Auch das Flüchtlingsthema nahm Steinmetz mit in seinen Vortrag auf. Hier nimmt die IHK eine bedeutsame Rolle ein. Mit der „Berliner Erklärung“ hat sich die IHK-Organisation klar zum Thema Flüchtlinge positioniert und dazu bekannt, einen aktiven Beitrag für die Integration von Flüchtlingen in die Wirtschaft zu leisten. Dazu startete die Kammer eine Unternehmensumfrage, deren Ergebnisse bald vorliegen werden. Die Tendenz sei jedoch sehr positiv: „Unternehmen am Mittleren Niederrhein sind bereit, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Hauptbeweggrund ist dabei eine humanitäre gesellschaftliche Verantwortung. Besonders wichtig sind den Unternehmen Sprachkenntnisse und ein geklärter Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge“, so Steinmetz. Gleichzeitig nahm er Politik, Wirtschaft und Verwaltung in die Pflicht, an einem Strang zu ziehen: „Was wir jetzt schon sagen können: Für die Unternehmen, die Flüchtlinge ausbilden, anlernen oder einstellen wird es eine große Umstellung.“
Seinen Vortrag schloss der IHK-Hauptgeschäftsführer mit dem Appell, Chancen gemeinsam zu nutzen und stand im Anschluss ebenso wie Bürgermeister Christian Wagner für Fragen aus dem Plenum zur Verfügung. Mit dem Überreichen eines Geschenkkorbs, bestehend aus Nettetaler Produkten, endete der offizielle Teil des 35. Nettetaler Wirtschaftsgesprächs.