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Nicht weniger schlecht, sondern gut handeln! C2C-Pionier beim Nettetaler Wirtschaftsgespräch

Mitteilung vom: 05.11.2018

Wirtschaftsgespräche Braungart 2018

Feinstaub, Mikroplastik in den Meeren und unseren Körpern, eine weltweite Ressourcenknappheit, Klimawandel oder Giftstoffe in Kleidungen, Teppichböden oder sogar Kinderspielzeug - unsere Gesellschaft schreit nahezu tagtäglich nach Antworten auf diese Probleme und fordert Verbesserungen. „Wenn wir aber etwas weniger schlecht machen bedeutet das nicht, dass es auch gut ist". Prof. Dr. Michael Braungart zeichnete als Referent beim 38. Nettetaler Wirtschaftsgespräch vor 150 Gästen im Haus Bey ein düsteres Zukunfts- und Umweltszenario auf, wenn hier weiterhin das Schlechte verbessert, vielleicht sogar perfektioniert wird.

„Cradle to Cradle als Innovationsmotor für Europa - wie wir durch die konsequente Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsmodells die Zukunft gewinnen" lautete der Titel des Abends, zu dem die Stadt Nettetal zusammen mit den Stadtwerken Nettetal und der Sparkasse Krefeld eingeladen hatten. Prof. Braungart gilt als Pionier und Miterfinder des C2C-Prinzips, das weltweit großen Anklang findet. „Es ist falsch zu glauben, man schütze die Umwelt, wenn man möglichst wenig zerstöre, oder dass man Umweltprobleme mit effizienteren Müllverbrennungsanlagen aus der Welt schafft". Sein Lösungsansatz ist das Prinzip „Cradle to Cradle", zu Deutsch von der Wiege bis zur Wiege und nicht von der Wiege bis zur Bahre - also zum Abfall. Er fordert Produkte, die nach Ende ihrer Lebenszeit kein Abfall, sondern neuer Rohstoff sind, die endlos und ohne Qualitätsverluste wiederverwertet werden können. Er fordert Produkte, die nicht nur die Menschen nicht krankmachen und die Umwelt nicht belasten, sondern vielmehr der Umwelt und dem Menschen dienen.

Schon bei der Konzeption neuer Produkte muss darauf geachtet werden, nur wiederverwendbare Stoffe einzusetzen und so zu produzieren, dass sie nützlich sind - und nicht nur weniger schädlich. Wie das geht zeigte er anhand von erfolgreichen Beispielen und über 1.000 Produkten, die heute schon nach dem C2C-Prinzip hergestellt werden: luftreinigende Farben und Beton; Teppichböden, die Feinstäube binden; Verpackungen und Papier, die vollständig wiederverwertbar sind oder Gebäude, deren Luft drinnen besser ist als draußen und die später vollständig wiederverwendbar sind - also quasi als Materialdatenbank dienen. Die dänische Reederei Maersk hat bereits ganze Containerschiffe nach diesem Prinzip gebaut und dabei nur Material benutzt, das keine Schadstoffe ans Meer abgibt und das am Ende der Nutzungsdauer in anderen Produkten weiterverwendet werden kann.

Braungart fordert Windeln, die dem Naturkreislauf wieder zurückgeben werden und kompostierbar als Dünger dienen. Seine Vorstellung geht soweit, dass künftig nicht mehr Produkte gekauft werden, sondern Nutzungen; also keine Waschmaschinen, sondern eine bestimmte Anzahl Waschvorgänge, keine Lampen, sondern Leuchtstunden. Nach Ablauf der gekauften Nutzungen wird das Gerät dann zurückgegeben und kommt wieder in den Materialkreislauf zurück. Hier ist aber ein generelles Umdenken von Konsumenten und Industrie notwendig, die damit künftig auch Geld verdienen können und sich von Mitbewerbern absetzen können. Eine besondere Chance sieht Braungart hier für die Wirtschaft in der Grenzregion Nettetal-Venlo, denn insbesondere die niederländischen Nachbarn sind mit dem neuen Stadthaus Vorreiter des Systems.

Für Bürgermeister Christian Wagner ist das Prinzip nicht neu. So soll der Neubau eines Nebengebäudes des Rathauses nach den C2C-Maßstäben errichtet werden. Auch in Zukunft will man das Thema nicht aus den Augen verlieren und beispielsweise bei der Ausstattung von Schulen vorantreiben. Ansätze, wie dies aussehen kann, lieferte Professor Dr. Michael Braungart beim Wirtschaftsgespräch zur Freude der interessierten Gäste am laufenden Band. „Lassen Sie uns gut sein für die Umwelt, und nicht nur weniger schlecht", fasste Braungart den Abend zusammen.

Seit 1991 finden regelmäßig die Nettetaler Wirtschaftsgespräche statt, zunächst auf Schloss Krickenbeck und jetzt auf Haus Bey. Neben interessanten, aktuellen Themen und fachkundigen Referenten steht auch das Gespräch zwischen Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik im Vordergrund des Abends.

Bildunterschrift:  v. l. Jochem Dohmen (Sparkasse Krefeld), Prof. Dr. Michael Braungart, Christian Wagner, Sandra Wagner, Norbert Dieling (Stadtwerke Nettetal).