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Unternehmensnachfolge im Mittelstand - wie 'professionell' gehen wir mit unseren Emotionen um? (archivierte Mitteilung)

Mitteilung vom: 27.11.2008

29. Nettetaler Wirtschaftsgespräch auf Schloss Krickenbeck
26.11.2008, Gerhard Nagel (Geschäftsführer Nagel, Maier & Partner)

Claus Nicklas, Gerhard Nagel, Christian Wagner und Markus Kirschbaum vor den Zuhörern
Sprachen über die erfolgreiche
Unternehmensnachfolge:
v. l. : Claus Nicklas, Gerhard
Nagel, Christian Wagner und
Markus Kirschbaum

Wenn ein Unternehmer seine Firma an einen Nachfolger übergeben möchte, stehen meist betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Überlegungen im Vordergrund. Unterschätzt werden dabei psychologische und zwischenmenschliche Aspekte. „Aber genau hier liegen oftmals die Ursachen, warum eine Unternehmensnachfolge scheitert und dadurch die Entwicklung des Betriebes gefährdet wird, gerade bei mittelständischen Firmen“, so Gerhard Nagel beim 29. Nettetaler Wirtschaftsgespräch auf Schloss Krickenbeck. Bürgermeister Christian Wagner begrüßte gemeinsam mit Sparkassendirektor Markus Kirschbaum mehr als 100 Vertreter aus Wirtschaft Politik und Verwaltung zum Thema „Unternehmensnachfolge im Mittelstand - wie professionell gehen wir mit unseren Emotionen um?“. „Ein Thema, das in vielen Betrieben viel zu lange ignoriert wird“, so die beiden Gastgeber.

Im Idealfall folgt das eigene Kind im Unternehmen nach. „Das ist aber weder selbstverständlich noch immer erfolgreich“, warnt Nagel. Für ihn ist die Unternehmensnachfolge daher das „letzte und vielleicht wichtigste Projekt eines Unternehmers, auf das er aber nirgendwo richtig vorbereitet wurde“. Der selbständige Unternehmensberater und Buchautor hat es mit seinem Buch „Wagnis Führung“ in die TOP 10 der deutschen Wirtschaftsliteratur geschafft. Lebhaft, manchmal provokativ, aber immer wieder mit kleinen Geschichten aus seinem 27-jährigen Berufsleben schildert er, wo die - meist emotionalen - Probleme liegen. Nagel: „Beide Seiten sollten rechtzeitig über Wertvorstellungen, Erwartungen, Zeitvorstellungen und Ziele für das Unternehmen reden, Konflikte in der Familie sollten offen ausgetragen werden“. Im Sinne des Unternehmens sollte am Ende eine Balance zwischen „bewahren“ und „verändern“ gefunden werden. Er rät dazu, auch bei eigenen Kindern die Eignung und den Willen zur Unternehmensleitung überprüfen zu lassen und dabei eine externe Besetzung nicht von vorne herein auszuschließen.

Sparkassendirektor Kirschbaum erinnert daran, dass bei der Vergabe von Krediten auch geprüft werden muss, ob die Unternehmensnachfolge geregelt ist. Ob das englische Könighaus aus diesem Grunde keinen Kredit bei der Sparkasse Krefeld erhalten würde, lies er aber offen. Dass es für beide Seiten erfolgreich sein kann, wenn ein Sohn nicht seinem Vater im Betrieb nachfolgt, beweist Claus Nicklas. Der 45-jährige leitet jetzt als Geschäftsführer erfolgreich die Kaldenkirchener Firma Kontur Werkzeugstahl und empfand seine Arbeit in der väterlichen Firma stets als Sondersituation. Für eine erfolgreiche Fabrikantenfamilie in der achten Generation steht dagegen der Unternehmensberater Christian G. Andreae (82). Dort wird die Unternehmensnachfolge traditionell von einem Beirat entschieden „Wichtig ist dabei, dass die Familie in die Unternehmensphilosophie eingebunden wird“, so das Erfolgsrezept der Viersener Familie. Während Kurt Heidel noch weitere Verbesserungen beim Erbschaftsrecht fordert, zeigt sich Bürgermeister Wagner zuversichtlich, dass die mittelständischen Firmen nicht nur diese spannende Unternehmensphase, sondern auch die derzeitige Wirtschaftskrise meistern werden. „Der Mittelstand hat stets bewiesen, dass er flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann“, lobt Wagner.

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